Orgelnoten und Chorsatz – Peter Christian Lutkin (1858–1931)

3 Orgelstücke von Peter Lutkin, die in der amerikanischen Reihe „Vox Organi“ von Dudley Buck erstmals herausgegeben wurden, werden mit dieser KMM als Neuedition den Organist:innen für die liturgische Praxis an die Hand gegeben.

Peter Christian Lutkin

Pastorale, Reverie und Postlude sind die Stücke überschrieben und spiegeln die Stilistik wider, die der Amerikaner Lutkin bei seinen Studien in Berlin, Wien und Paris kennenlernte. Es sind romantische Stücke im besten Sinne, die formal überzeugend gearbeitet sind. Die Pastorale im typischen 6/8 Takt geschrieben, ist als Kanon zwischen Oberstimme und Tenorstimme konsequent entwickelt. Reverie (Träumerei) ist ganz dem Titel entsprechen, verträumt und von der französischen romantischen Tonsprache durchdrungen. Der Satz ist durch eine melancholische Melodie prägt, die fast durchgehend gleich rhythmisiert ist. Auch Chromatik spielt in diesem Satz eine größere Rolle. Postlude ist ein dreiteiliges Nachspiel, in dem sich der erste und letzte Teil weitgehend entsprechen und der 3. Teil nur um eine Schlusscoda erweitert ist. Das feierliche Stück lebte vom akkordischen, fanfarenartigen Aufbau und komplementärer Rhythmisierung zwischen Manual- und Pedalpassagen und verfehlt seine Wirkung als Auszugsstück nicht. 

In Amerika hat Peter Lutkin vor allem als Pädagoge und Chorkomponist Bedeutung. Sein Chorstück „The Lord bless you“, die Vertonung des aaronitischen Segens, gehört zu den bekanntesten Werken der geistlichen Chormusik in den USA. In der Chorpartitur ist vermerkt, dass der abschließende Amen-Teil auch für sich genommen gesungen werden kann. 

Orgelnoten: Peter Christian Lutkin, Pastorale - Reverie - Postlude

Chornoten: Peter Christian Lutkin, The Lord Bless You and Keep You
Tonbeispiel:https://www.youtube.com/watch?v=pqP04T9i2OE&list=RDpqP04T9i2OE&start_radio=1

Peter Christian Lutkin wurde am 27. März 1858 in Thompsonville, Wisconsin, geboren. Seine Eltern, die er bereits mit 13 Jahren verlor, waren dänische Auswanderer. Er wuchs in Chicago auf, wo er mit nur 14 Jahren zum Hauptorganisten von St. Paul's Episcopal Church ernannt wurde. Studien in Orgel, Klavier und Theorie absolvierte er zunächst in seiner Heimatstadt, bevor er 1881 nach Berlin ging, um bei Oscar Ralf Klavier, bei August Haupt Orgel und bei Waldemar Bargiel Komposition zu studieren. Weitere Studien in Klavier und Komposition folgten mit Theodore Leschetitzky in Wien sowie bei Moritz Moszkowsky in Paris.

Nach seiner Rückkehr aus Europa wurde Lutkin zunächst Organist und Chorleiter an St. Clement’s Protestant Episcopal Church in Chicago und später in derselben Position an der St. James Episcopal Church. 1888 leitete er die Musiktheorieabteilung des American Conservatory of Music in Chicago. 

1891 wechselte er an das Northwestern Conservatory of Music, wo er Aufbauarbeit zu leisten hatte. Die Lehrveranstaltungen orientierten sich fortan an denen deutscher Konservatorien. 1895 entstand in Folge eine eigenständige Musikhochschule zu deren Dekan Lutkin berufen wurde. In dieser Position blieb er bis 1928. Von 1895 bis 1931 wirkte er außerdem als Professor für Theorie, Klavier, Orgel und Komposition und hatte weitere leitende Positionen inne. 

Lutkins Hauptaugenmerk galt der Kirchen- und Chormusik. Er engagierte sich stark im Chor- und Orchesterleben der Universität sowie in der regionalen Musikkultur. So gründet er an der Northwestern University einen Frauen- und Männerchor, 1906 einen a-cappella Chor, der Schule machte und landesweite Beachtung fand. 

Weitere Verbandstätigkeiten ergänzten das reiche Schaffen Lutkins. U.a. gründete er 1896 den heute noch existierenden American Guild of Organists und stand verschiedenen anderen musikalischen Verbänden vor sowie dem North Shore Music Festival. 

1901 erhielt Lutkin die Ehrendoktorwürde. Er starb am 27. Dezember 1931 infolge eines schweren Herzinfarkts.

Als Komponist widmete sich Lutkin vor allem der geistlichen Chormusik. Viele Werke entstanden für seine Chöre. Am bekanntesten ist die kurze Segensmotette „The Lord Bless You and Keep You“ (Aaronitischer Segen), die bis heute häufig in Gottesdiensten, Universitätsfeiern und Abschlusszeremonien gesungen wird.

Seine Bedeutung liegt weniger in bahnbrechenden neuen Musikstilen, sondern in seinem Einfluss auf die US‑Kirchenmusik, die Chortradition an Hochschulen und in einem kleinen, aber bis heute lebendigen Repertoire an geistlicher Chormusik.

Lutkin trug wesentlich zur Professionalisierung der Musikausbildung in den USA bei und prägte die Entwicklung der Northwestern University School of Music zu einer führenden Ausbildungsstätte.

(Regionalkantor KMD Thomas Gindele)

Quelle: https://findingaids.library.northwestern.edu/agents/people/1574