Chormusik von Komponistinnen

“Choral Music Composed by Women” ist eines der wenigen Chorbücher (Carus CV 2.251), das sich ausschließlich den Werken von Komponistinnen widmet. Der Band enthält Werke von 45 verschiedenen Komponistinnen für gemischten Chor a cappella oder mit Klavier bzw. Orgel.

Anspruch der Herausgeber:innen war es, in dieser Chorsammlung eine große Vielfalt abzubilden, die von einfacheren Stücken für Laienchöre oder für die Aufführung bei Offenen Singen bis hin zu anspruchsvolleren Werken für Kammerchöre reicht. Ein Werk ganz ohne Noten, Pauline Oliveros' Sonic Meditations, gibt Anregungen zu Musik und Meditation. Neben der musikalischen Qualität standen die Praxisnähe und Brauchbarkeit für gemischte Chöre in ihrer ganzen Breite im Vordergrund.

Die Sammlung führt auf eine musikalische Reise durch die Geschichte und ist ein Zeugnis der Kreativität und des Einflusses von komponierenden Frauen in der Musik vom Mittelalter bis heute. Die älteste, Hildegard von Bingen, wird durch eine neu für das Chorbuch entstandene Komposition von Dorothee Schabert in ein zeitgenössisches Licht gestellt. Aus der Renaissance und Barockzeit sind Maddalena Casulana, Isabella Leonarda, Vittoria Aleotti und Barbara Strozzi als Vertreterinnen der italienischen Madrigalkunst im Chorbuch enthalten. Adelige Gönner oder Verwandte ermöglichten damals die Publikation ihrer Werke, was später, im 18. Jahrhundert und frühen 19. Jahrhundert nur wenigen Komponistinnen gelang. Gerade die heute besonders bekannten Komponistinnen Fanny Hensel und Clara Schumann werden oft nur im Zusammenhang mit ihrem Bruder bzw. ihrem Mann erwähnt, und trotz ihres musikalischen Umfelds wurden zu ihren Lebzeiten nur wenige ihrer Werke veröffentlicht. Komponistinnen wie Josephine Lang oder Louise Farrenc, die ebenfalls im Chorbuch vertreten sind, sind eher für ihre Sololieder oder Instrumentalwerke bekannt.

Im späteren 19. Jahrhundert wuchs die Zahl von Komponistinnen, die Werke für gemischten Chor schrieben. Viele waren zunächst als Pianistinnen oder Organistinnen erfolgreich, verfolgten dann aber eine eigenständige und erfolgreiche Karriere als Komponistinnen. Zu ihnen zählen Mel Bonis, Luise Adolpha Le Beau, Ann Mounsey Bartholomew, Elfrida Andrée oder Agathe Backer Grøndahl. Andere schufen neben ihrer Tätigkeit als Pädagoginnen (wie Alice Tegnér) und Chorleiterinnen (wie Miina Härma) ein reiches kompositorisches Werk. Mit Amy Beach ist im Chorbuch die erste amerikanische Komponistin vertreten, von der eine Sinfonie veröffentlicht wurde. Florence Price ist ebenfalls berücksichtigt — sie ist die erste Afroamerikanerin, die als Komponistin klassischer Musik bekannt wurde. Mit Ethel Smyth wurde auch eine Pionierin der englischen Frauenbewegung in das Chorbuch aufgenommen. Die ausgewählten Komponistinnen des 20. und 21. Jahrhunderts kommen aus Deutschland, Österreich, Litauen, der Ukraine, den USA, Großbritannien, Irland, aus Argentinien und Israel. Besonders freuen wir uns auch über die im Chorbuch erstmals veröffentlichten Kompositionen.

Das Chorbuch bietet die Möglichkeit, die reiche und oft übersehene Welt der Komponistinnen zu entdecken, und soll dazu anregen, auch in die Werke und Biographien weiterer Komponistinnen einzutauchen. Die Chorsammlung möchte dazu beitragen, das Repertoire der Chöre zu erweitern und den weitgehend durch männliche Komponisten geprägten Standardkanon zu ergänzen.

Von den meisten Werken stehen auch Einzelausgaben in Chorstärke zur Verfügung.

Franziska de Gilde, Mary Ellen Kitchens und Jan Schumacher

© Carus-Verlag, Stuttgart

https://www.carus-verlag.com/en/music-scores-and-recordings/choral-music-composed-by-women-225100.html