Chor- und Bandtage 2026 auf der Liebfrauenhöhe in Ergenzingen

Zunächst unter dem Titel „Chortage für junge Chöre“, dann schlicht als „Chortage“ und zuletzt unter dem neuen Namen „Chor- und Bandtage“ veranstaltet der Cäcilienverband der Diözesse Rottenburg-Stuttgart seit 2011 ein besonderes Wochenende für Sängerinnen und Sänger und mehr.

Eine Band in der Krönungskirche
Foto: Sr. M. Faustina Niestroj

Nach 15 Jahren erfolgreicher musikalischen Veranstaltungsarbeit hat die Kooperation mit einem neuen Partner, nämlich der Pop-Ausbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart (Amt für Kirchenmusik), einen fruchtbaren Aufschwung hervorgebracht. Ich bin sehr dankbar, dass wir dieses neue Format gewagt haben. Die Unterstützung und neue Impulse seitens KMD Thomas Gindele, sowohl in der Konzeption wie in der Durchführung, haben wirklich neue Akzente gesetzt und vielleicht einen neuen Weg initiiert. Auf jeden Fall steht die nächste Veranstaltung in diesem Format fest: 12.-14.03.2027 mit Kai Lünnemann (Osnabrück).

Sr. M. Faustina Niestroj
Geschäftsführerin

Wenn der Chor plötzlich eine Band hat - Mit Stimme und Instrument gemeinsam Kirche zum Klingen bringen

Die Chortage des Cäcilienverbands der Diözese Rottenburg-Stuttgart haben seit vielen Jahren ihren festen Platz im kirchenmusikalischen Kalender. In diesem Jahr bekamen sie auf der Liebfrauenhöhe in Ergenzingen eine neue Farbe: Zum ersten Mal wurde parallel zu den Chortagen ein Bandworkshop angeboten. Und schon nach kurzer Zeit war klar: Das ist eine Idee mit Zukunft.

Rund 80 Sängerinnen und Sänger sowie etwa zehn Instrumentalistinnen und Instrumentalisten machten sich gemeinsam auf den Weg. Die Band war vielseitig besetzt: Cajon, E-Gitarren, Keyboard, Akustikgitarre und E-Bass. Für die Gesamtleitung und die Chorarbeit war Timo Böcking verantwortlich, dessen Songs aus der HERZ+MUND-Reihe an diesem Wochenende im Mittelpunkt standen. Den Bandworkshop leitete Heiko Köngeter: Gitarrist, Produzent, erfahrener Bandmusiker und ein Coach, der sehr schnell spürbar machte: Hier geht es nicht um Theorie, sondern um Musik, die funktioniert.

Aus Sicht eines Bandteilnehmers war genau das die besondere Stärke des Wochenendes: Wir bekamen keine fertigen Arrangements vorgelegt, die dann möglichst genau nachgespielt werden sollten. Stattdessen hörten wir uns die Songs an, ließen sie erst einmal wirken und fragten gemeinsam: Was braucht dieses Stück? Wo liegt der Groove? Welche rhythmischen und dynamischen Besonderheiten prägen den Song? Welche Atmosphäre soll entstehen? Wo darf die Band tragen und wo muss sie sich zurücknehmen? Und vor allem: Wie kann diese Vorlage mit genau der Bandbesetzung umgesetzt werden, die gerade im Raum sitzt?

Aus einer eher reduzierten Aufnahme mit Gesang und Klavier wurde so Schritt für Schritt eine Bandfassung. Es ging nicht darum, dass jeder Einzelne möglichst viel spielt, sondern gemeinsam das Richtige.

Heiko Köngeter führte dabei mit großer Ruhe, viel Erfahrung und einem sehr praktischen Blick durch die Proben. Er hörte genau hin, gab konkrete Impulse und half den einzelnen Instrumenten, ihren Platz im Gesamtklang zu finden. Das war für die Band nicht nur hilfreich, sondern auch motivierend: Man wurde mit dem eigenen Instrument ernst genommen und zugleich herausgefordert, musikalisch über den eigenen Part hinauszudenken.

Währenddessen erarbeitete der Chor unter der Leitung von Timo Böcking die Stücke auf seine Weise. Beide Gruppen konnten sich auf ihre eigenen Aufgaben konzentrieren, bis dann der spannende Moment kam, an dem alles zusammengeführt wurde.

Und dieser Moment hatte etwas Besonderes. Plötzlich standen nicht mehr zwei getrennte Workshops nebeneinander. Plötzlich war da ein gemeinsamer Klang. Natürlich musste an einzelnen Stellen noch abgestimmt werden: ein Einsatz klarer, ein Übergang schlanker, eine Dynamik bewusster. Aber genau darin lag der Reiz. Man konnte miterleben, wie aus vorbereiteten Einzelteilen Musik wurde, nicht perfekt steril, sondern aufmerksam, lebendig und gemeinsam getragen.

Im vom Chor musikalisch gestalteten Abschlussgottesdienst wurden dann drei Stücke mit Bandbegleitung vorgetragen: „Wege zum Frieden“, „Mein Herz will dich feiern“ und „Herz und Mund“. Für uns als Band war das der Moment, in dem sich die Arbeit der beiden Tage bündelte. Was vorher im Probenraum ausprobiert, sortiert und geschliffen wurde, bekam im Gottesdienst seinen eigentlichen Ort. Die Musik stand nicht für sich allein, sondern trug Gebet, Gemeinschaft und Verkündigung.

Ein Dank gilt KMD Thomas Gindele, der im Hintergrund dafür sorgte, dass die technischen Voraussetzungen stimmten. Wer schon einmal mit Band in Kirchenräumen gearbeitet hat, weiß: Wenn die Technik unauffällig funktioniert, ist vorher sehr viel richtig gemacht worden.

Für die Bandteilnehmer bleibt von diesem Wochenende vor allem ein Gefühl: Bitte mehr davon. Die Premiere hat gezeigt, wie viel möglich wird, wenn Chöre und Bands nicht als getrennte Welten gedacht werden. Viele Gemeinden kennen beides: Menschen, die gerne singen, und Menschen, die Musik machen wollen. Dieses Wochenende hat erlebbar gemacht, dass kirchliche Musik lebendig bleibt, wenn sie Räume öffnet: für Chöre, für Bands, für neue Lieder, für junge Solistinnen und erfahrene Bandmusiker und für Menschen, die ihren Glauben nicht nur sprechen, sondern auch grooven lassen möchten. Tradition und Popmusik müssen sich nicht ausschließen. Im Gegenteil: Wenn beides gut zusammengebracht wird, entsteht genau das, was Kirche braucht: Musik mit Herz, Mund und Rhythmus.

Andreas Gerster