Chants sacrés - Rezension von KMD Franz Güthner

Die vorliegende Sammlung vereint dreißig Solomotetten französischer Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts für eine Singstimme mit Orgelbegleitung. Sie richtet sich sowohl an die liturgische Praxis im Gottesdienst als auch an den konzertanten Gebrauch und bietet damit ein vielseitiges Repertoire für Sängerinnen und Sänger sowie Organistinnen und Organisten.

Cover der Chants sacrée
Bärenreiter-Verlag

Ein besonderes Merkmal dieser Edition ist die ausgewogene Mischung aus bekannten und selten aufgeführten Werken. So stehen berühmte Motetten wie „Panis angelicus“ von César Franck gleichberechtigt neben weniger bekannten, teils bislang unveröffentlichten Kompositionen. Zu den Erstveröffentlichungen zählen unter anderem die bezaubernde Motette „Notre Père“ von Émile Goué sowie eine eindrucksvolle „Pater noster“-Vertonung von André Caplet, einem engen Freund und Mitarbeiter Claude Debussys. 

Ergänzt wird die Sammlung durch ein kunstvoll gearbeitetes „O salutaris“ für Tenor, Violine und Orgel von Ermend Bonnal, dem Nachfolger von Charles Tournemire an der Pariser Basilika Sainte-Clotilde. Die meisten dieser Liedmotetten sind leicht zu realisieren und bewegen sich zeitlich zwischen 2 und 4 Minuten. 

Historischer Kontext

Im Zentrum der liturgischen Musikpraxis des 19. Jahrhunderts in Frankreich stand der Chorgesang. Insbesondere in den großen Pariser Kirchen und Kathedralen wurde der Gemeindegesang durch Chorensembles getragen und von der Orgel begleitet. Frauen waren jedoch traditionell vom liturgischen Chorgesang ausgeschlossen. Solistische Gesangs-darbietungen von Frauen fanden daher vor allem außerhalb der regulären Liturgie statt, etwa bei Konzerten sowie bei besonderen kirchlichen Anlässen wie Hochzeiten oder Trauerfeiern.

Praktische Hinweise

Die Ausgabe enthält wertvolle Hilfestellungen für die Praxis:

  • Aussprachehilfen für die korrekte Interpretation lateinischer Texte
  • Deutsche Übersetzungen aller Texte zur besseren inhaltlichen Erfassung
  • Hinweise zur stilgerechten Aufführung im liturgischen und konzertanten Kontext

Diese Sammlung stellt somit nicht nur eine musikalische Bereicherung dar, sondern auch ein praxisorientiertes Werkzeug für die authentische Interpretation französischer Sakralmusik dieser Epoche. 

KMD Franz Günthner